Verhaltensbiologie : Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier: Eine Autistin entdeckt die Sprache der Tiere

Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier: Eine Autistin entdeckt die Sprache der Tiere

EUR 8,95


Alles begann im Internat für „verhaltensauffällige“ Hochbegabte, in das die rauflustige Autistin Temple Grandin kam, nachdem sie von ihrer alten Schule geflogen war. Während eines Ausflugs zu einer Ranch beobachtete Temple das Impfen von Rindern. Die simple Klammervorrichtung, die die Tiere zu diesem Zweck fixierte und der Druck, der offensichtlich beruhigend auf sie wirkte, faszinierten das Mädchen. Temple, als Autistin selbst von Angst- und Panikattacken verfolgt, ließ sich eine ähnliche Konstruktion zur eigenen Anwendung nachbauen. Es half auch bei ihr. Diese Übereinstimmung sollte prägend für ihr späteres Leben werden. Heute zählt Dr. Temple Grandin zu den weltweit führenden Tierpsychologinnen. Dieses Buch gleicht einer Revolution. Zum ersten Mal ist es einem Menschen gelungen, die Gefühls- und Gedankenwelt der Tiere in menschliche Sprache zu übersetzen. Grandins großer Vorteil: Ihre autistischen Denkstrukturen und die Art, in Bildern und nicht linguistisch zu denken, findet ihr Pendant in der Tierwelt. Autismus begreift sie dabei als „eine Art Zwischenstadium zwischen Tier und Mensch“. Spezialisierung lautet das Zauberwort. Im Rahmen ihrer Hirnforschung stieß die Autorin auf „autistische Savants“, hochspezialisierte, aber geistig zurückgebliebene Menschen, die Primzahlen herunterbeten und bei Geburtsdaten „automatisch“ den Wochentag nennen können. Ähnlich speziell arbeiten die Hirnfunktionen eines Tieres. Rudelmentalität -- Gewalt bei Tieren („Minikriege unter den Schimpansen“ -- Warum Freuds Lehren nicht für Hunde gelten -- Tiere kennen keine gemischten Gefühle -- Psychisch gestörte Hennen. Grandins Buch, das alle Anlagen zu einem Standardwerk besitzt, verschafft umwerfende und tiefe Einblicke ins innerste Wesen von Haus- und Wildtier. Nach wie vor gilt ihre größte Liebe, wie schon seit Jugendtagen, dem Rind. Es mag daher merkwürdig erscheinen, dass heute die Hälfte sämtlicher Nutztiere in Nordamerika nach von Dr. Grandin entwickelten Methoden geschlachtet wird, was einen tierliebenden amerikanischen Amazon-Leser veranlasste, sie zu einem Büttel der Schlachtindustrie zu erklären („The Meatpacker s Friend“). – Dr. Grandin kennt den Widerspruch, der hier lauert, kann ihn jedoch schlüssig entkräften. Autistisches und tierisches Verhalten. Ein doppelter Gewinn an ungeahnten Einsichten. –Ravi Unger

Eine Enttäuschung - Der Titel des Buches samt seinem Untertitel evoziert, dass Temple Grandin eine besondere Verbindung zur Sicht der Tiere auf die Welt gefunden hat, vielleicht eine interessante Parallele zwischen der besonderen Weltsicht eines autistischen Menschen und der Wahrnehmung von Tieren. Statt dessen bin ich auf die Sicht einer Technokratin gestoßen, die dank einer emotional nicht eingeschränkten Wahrnehmung in der Lage ist, in Tierzuchtbetrieben und Schlachthäusern Details aufzuspüren, die Tiere erschrecken oder verunsichern können (Lichtreflexe, flatternde Bänder usw.), und durch ihre Beseitigung in diesen Anstalten zu einem komplikationsloseren Ablauf des Betriebs beitrug. Die Dinge, die sie über das Verhalten von Tieren, über ihre Sinneswahrnehmung (Geräusche, verschiedene Gesichtsfelder, Interaktion mit Artgenossen, Geschlechtsleben) beisteuert, sind keine Neuigkeiten, sondern jedem, der sich näher mit irgendeiner Art von Tier befasst oder etwas darüber gelesen hat, längst bekannt. Obwohl ich sonst ein Schnellleser bin, konnte ich mich bei diesem Buch nur bis zur Hälfte durchquälen. Ich habe bis dahin weder etwas Neues über Tiere noch über Autisten noch über die angeblich existierende besondere Verbindung zwischen beiden erfahren können.

Viel Spannendes über Tiere und Autisten - Als Tierliebhaberin und Verhaltensbiologin fand ich das Buch wirklich sehr spannend und interessant. Ich habe noch sehr viel Neues über tierisches Verhalten erfahren.Toll fand ich, daß T. Grandin auch über Unthemen wie Schlachthofprocedere und -tiere forscht und schreibt. Bei anderen Kuschelbüchern über Tiere geht es oft nur um niedliche Haustiere, Katzen, Hunde, Pferde natürlich auch. Aber Grandins Lieblingstiere sind Kühe, und die haben auch einen entsprechenden Platz im Buch. Aber auch über die Haltung von Schweinen und Hühnern lernt man einiges.Für mich war auch sehr interessant, etwas über Autisten und ihre Art, die Welt zu sehen, zu erfahren.4 statt 5 Sterne habe ich gegeben, weil die Gliederung für mich nicht ganz nachvollziehbar war. Ich las das Buch mehr als eine Aneinanderreihung von interessanten Geschichten und Fakten. Eine bessere Gliederung und Zuordnung zu einprägsamen Kapiteln würde für mich die Speicherung der vielen Informationen wesentlich erleichtern.Trotzdem auf jeden Fall zu empfehlen für alle die mehr über Tiere und Autisten erfahren wollen.

Hochinteressant! - Ein gut zu lesendes, interessantes Buch, dass mit vielen Klischees über die Tierwelt aufräumt. Temple Grandin hat die Gabe, die Welt aus Tiersicht zu sehen und zusätzlich die Gabe, dem Leser das von ihr gesehene zu vermitteln. Viele Verhaltensprobleme konnte die Autorin durch genaue Beobachtungen der Umwelt der Tiere und kleine Veränderungen an dieser lösen. Nach lesen des Buches schaut man ein bißchen genauer auf bestimmte Sachen, z. B. muss ein Tier von ein helles in ein dunkles Zimmer gehen und findet selber Lösungen für kleine Probleme bei den eigenen Tieren.Ein sehr empfehlenswertes Buch.

Die Welt aus Sicht der Tiere besser verstehen - Temple Grandin Ich sehe die Welt wie ein frohes TierWas dieses Buch so einzigartig macht, wird in vier Sätzen des ersten Kapitels deutlich: Es ist anders als alle Tierbücher, die ich kenne- nicht zuletzt deswegen, weil ich anders bin als die meisten Tierforscher. Autisten wissen genau, wie Tiere denken. Natürlich verstehen wir auch, wie Menschen denken- so anders sind wir auch wieder nicht. Autismus ist eine Art Zwischenstadium zwischen Tier und Mensch.Die Themen Wahrnehmung, Gefühle, Aggressionen, Schmerz und Leid und Ängste beim Tier nicht nur aus der menschlichen Perspektive zu betrachten und dabei trotzdem auf dem Boden der wissenschaftlich belegbaren Tatsachen zu bleiben, wird trotz ihrer Sensibilität nicht zu einer unsicheren Gratwanderung zwischen Spekulation und Realität.Ihre wissenschaftliche Herangehensweise verlässt die Autorin auch dann nicht, wenn sie Fragen wie was denken Tiere? wie klug sind Tiere? oder haben Tiere ein Gewissen? nachgeht. Der Leser wird dabei über Fragestellungen wie z.B. was ist überhaupt Denken oder Klugheit? in die wissenschaftliche Auseinandersetzung dieser Themen mit hineingenommen, ohne dabei aber im Fachchinesisch unterzugehen. Im Gegenteil.T.G. schreibt verständlich, humorvoll und bringt dem Leser auch kompliziertere Inhalte durch äußerst treffend gewählte Beispiele nahe: Wenn ich ein Computer wäre, hätte ich eine riesige Festplatte, aber nur einen winzigen Arbeitsspeicher.Faszinierend sind die Schlüsse, zu denen die Autorin hinführt, faszinierend in ihrer Schlichtheit und bestechend in ihrer Logik, wenn sie z.B. darstellt, wie oft lediglich eine falsche Methode oder Fragestellung schuld an einem angeblich feststehenden Ergebnis ist.Tiere sind keine Menschen und denken in vielen Fällen auch nicht menschlich. Dass sie uns aber in vielen Fällen weit überlegen sind, und dass unsre angebliche Überlegenheit auf Kosten vieler wertvoller Eigenschaften ging, dass hier daher das Wort Überlegenheit besser in Andersartigkeit umzubenennen wäre, und dass wir dieser Andersartigkeit mit großem Respekt begegnen sollten,das könnte man als zentrales Anliegen des Buches beschreiben. Ein Buch, das jeder, und hat er auch nur im Entferntesten mit Tieren zu tun, gelesen haben sollte.Ein Buch, das sich durch eine überzeugende Kompetenz der Autorin auszeichnet, die gleichzeitig Wissenschaftlichkeit, eine hohe Ethik und tiefen Respekt vor unsren Mitgeschöpfen als Anliegen hat, und das sich wohltuend und erfrischend abhebt von derzeit vielen den Markt überschwemmenden, die Tiere stark vermenschlichenden andren Werken.

Die Tierwelt mit anderen Augen sehen... - Ich muß vorausschicken, daß ich mich nie besonders für Tiere interessiert habe - aber das Buch von Temple Grandin, einer Austistin (wie ich), mußte ich unbedingt lesen!Es hat mir zum einen die Augen geöffnet im Hinblick auf die psychophysiologischen Erklärungen tierischen und menschlichen Verhaltens. Es hat mir Parallelen eröffnet zu meinem eigenen Fühlen, Denken und meinen Problemen.Vielfach konnte ich genaus nachvollziehen, wie Temple Grandin arbeitet und denkt, und daß es für sie absolut selbstverständlich und logisch ist - in diesem Buch vermittelt sie es so, daß es sowohl Autisten wie auch NICHT-Autisten verstehen, und letztere werden dann etwas merh über den Autismus verstehen. ,)Wer sein Haustier nicht versteht, könnte ebenfalls aus diesem Buch großen Nutzen ziehen - nach dem Lesen betrachtet man seinen Hund vielleicht mit anderen Augen und sieht MEHR.Wenn also eine NICHT-Tier-Interessierte ein solches Buch mit Interesse liest und sich ständig über neue Erkenntnisse wundert - wie muß es da erst Menschen gehen, die mehr mit Tieren zusammen sind oder zu tun haben?




Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier: Eine Autistin entdeckt die Sprache der Tiere