
Gefühle, Emotionen, Freier Wille, Historisches Gedächtniss........... - Jedem dem das Geheimis des menschlichen Wesens am Herzen liegt findet hier zwar nicht die Antworten seiner innersten Fragen dennoch interessante Gedanken und Hinweise. Gerhard Roth bietet eine Fülle an Informationen, cerebralem und fächerübergreifendem Detailwissen welches zeitweise den nicht medizinisch oder pathologisch fachkundigen Leser wie mich teilweise überschüttet. Auch wenn oftmals es schwierig ist allen Gedankengängen folgen zu können so muß der Grund hierfür nicht unbedingt in der Darstellung des Stoffes gesucht werden sondern in der unglaublichen Komplexität der Materie des menschlichen Gehirns begründet sein. Gerhard Roth bringt nicht nur die funktionalen Areale des menschlichen Gehirns dem Leser näher sondern baut auf beeindruckende Weise Brücken zu philosophischen Fragen anderer wissenschaftlicher Fachbereiche. Wir erhalten Informationen über revolutionäre Experimente zur Überprüfung der Frage der Determiniertheit von Willensbildung (Libet,Haggart,Eimer) die Begriffe wie Bewußtsein und Willensbildung in einem völlig neuem Licht erscheinen lassen. Ebenfalls bekommen wir kurze Einblicke über verschiedene Definitionen der Begriffe wie Gefühle, Emotionen, Persöhnlichkeitsmerkmale The big Five und deren biophysikalischen Zusammenhänge mittels Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Testosteron, Oxytocin, Noradrenalin und Acetylcholin. Wir erfahren daß wesentliche Entscheidungen unseres Tun und Handelns nicht durch unser Bewußtsein dem Arbeitsgedächtnis oder Cortex erfolgen sondern eher durch das im Unterbewußtsein arbeitende limbische System initiert werden welches durch Emotionen(Hippocampus), historischem Gedächtnis(Pesöhnlichkeitsidentität) und Gefühle(limbische Kerne, Amygdala) gesteuert oder getriggert werden. Gerhard Roth stellt niemals den Anspruch absolute Antworten auf wichtige philosophische Fragen zu haben sondern überläßt es dem Leser selber seine Schlüsse zu ziehen oder sich auf den Weg zu machen weitere Literaturrecherchen zu unternehmen. Es ist kein Buch was ich jedem empfehle gelesen haben zu müssen, es ist ein Buch welches für den der sich für das menschliche Gehirn interessiert viele neue Aspekte bieten kann. 2007, Andreas Graefenstein
Günstiger und erst noch aktueller - Ein grosses Kompliment an Autor und Verlag. Die Taschenbuchausgabe von Fühlen, Denken, Handeln ist so vollständig überarbeitet und aktualisiert worden, dass ich auch allen interessierten Besitzern der 2001 erschienenen Hardcover-Ausgabe die Anschaffung empfehle. Die Wissenschaft vom Gehirn ist so im Fluss, dass uns ihre renommiertesten Vertreter fast täglich mit Neuigkeiten überraschen. Und wer wirklich auf dem neusten Stand sein will, kommt am Internet und seinen Newsgroups nicht vorbei. Von Standardwerken oder Bibeln zu sprechen verbietet sich bei diesem Thema. Aber die Publikationen der letzten Jahre haben zumindest gezeigt, welche Autoren etwas zu sagen haben und auch verstanden werden. Zu ihnen gehört zweifelsohne Gerhard Roth. Die Grundstruktur der Version 2001 wurde zum Glück beibehalten. Es bestand angesichts des überraschenden Erfolges auch kein Handlungsbedarf für grosse Änderungen. Stark überarbeitet wurden aber die wichtigen Kapitel Das Bewusste und das Unbewusste und Starke Gefühle. Die Erkenntnisse der Neurologen sind zum Teil so bahnbrechend, dass sie die Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten umkrempeln werden. Damit wächst aber auch die Pflicht der Wissenschaftler, ihren Elfenbeinturm zu verlassen und Übersetzungsarbeit zu leisten. Gerhard Roth macht beides in beispielhafter Weise. Wer die Gelegenheit hat, ihn live zu hören, soll sie ergreifen. Wer sich lieber im Sofa von Neuem überraschen lassen will, soll dieses Taschenbuch kaufen.
Umfangreiche Einführung in die Problematik - Das Fühlen Denken Handeln ist sicherlich keine leichte Kost - das Thema ist wohl dazu zu komplex. Detailreich und genau zeigt Roth wie wir zu Entscheidungen gelangen - auf allen Ebenen des Geschehens. Für Einsteiger sicherlich nicht zu empfehlen - für Interessierte auf jeden Fall mehr als einen Blick wert.
Fahrlässiger Umgang mit Fakten - Roths Buch ist über weite Strecken eine Zusammenfassung bekannter Befunde, allerdings geht es bei der Darstellung von Befunden auch um die korrekte Wiedergabe. Das ist allerdings bei Roth nicht immer der Fall. Vor allem sein Argument gegen die Willensfreiheit, welches er massgeblich auf die Befunde von Libet und Haggard und Eimer stützt, verdankt sich über weite Strecken einer verkürzten Darstellung der Daten und der eigentlichen Versuchsaufbauten. Im Prinzip ist es legitim, Befunde eingefärbt darzustellen. Allerdings ist es nicht legitim, zu vergessen, dass man eine sehr einseitige Darstellung der Befunde vorlegt. Eben dies tut Roth im entscheidenden Teil über die Willensfreiheit. Auch die philosophische Diskussion ist eher dürftig, und zum Teil schlicht historisch falsch (vor allem, wenn Roth auf Kant Bezug nimmt). Roth scheint grossen Wert darauf zu legen, seine Leser zu überzeugen, und es mag ihm auch bei denjenigen gelingen, die nicht die Ressourcen haben, seine Befunde mit den Originalquellen zu vergleichen. Aber bei wissenschaftlichen Kollegen ist Roths Buch weniger gut angekommen (zB Beckermann, Libet selbst, Heckhausen, Walters, usw.), und das mit gutem Grund. Fazit: Das Buch ist verführerisch, aber nur deshalb, weil es mit Befunden und Daten sehr nachlässig und selbstdienend umgeht. Es geht nicht darum, viele Menschen zu überzeugen, sondern darum, seriöse Argumente vorzulegen. Das ist in diesem Buch allerdings nur teilweise der Fall, wie jeder selbst überprüfen kann, der sich den Originalquellen zuwendet.
Grossartig. - Nachdem ich schon das Werk Das Gehirn und seine Wirklichkeit mit grosser Begeisterung studiert hatte, habe ich nun auch das neueste Werk von Prof. Dr. Gerhard Roth gelesen.Zugegeben, im direkten Vergleich zu dem oben zitierten Werk ist sein neues Buch Denken, Fühlen, Handeln in weiten Teilen schwerer verständlich - nicht zuletzt wegen einer zuweilen sehr grossen Fülle an Fachausdrücken - dennoch darf ich sagen, dass sich ein grosser Gewinn aus diesem gleichfalls grossartigen Buch ziehen lässt.Nicht zuletzt die hochkomplexe Materie bedingt es, dass einige Passagen etwas zäh wirken.Insgesamt bleibt aber ein sehr guter Eindruck, so dass ich dieses Buch mit einer besonderen Empfehlung versehen möchte.