
Unbestreitbar wichtiges Werk - oft zu abstrakt / wissenschaftlich - Eins muss man diesem Büchlein zugute halten: Trotz seiner mittlerweile über 35-jährigen Reife hat es kaum an Aktualität eingebüßt. Dies liegt an der abstrakten und abstrahierenden Betrachtungsweise der behandelten Punkte - die 8 (modernen) Todsünden.In meiner Ausgabe von 2004 gibt es ein kurzes Vorwort des Autors, in welchem er darauf hinweist, dass seine Meinung einige Punkte betreffend sich leicht geändert hat und -, dass die Analyse einiger Momente bisweilen überholt ist. Dies sind aber wirklich vernachlässigbare Nivellierungen.Der Leser dieses Buches sollte des Weiteren über einen wissenschaftlich angehauchten, erweiterten Wortschatz verfügen, da der Autor viele Begriffe vor allem aus der Ethologie verwendet. Appetenz, Atorie, persistierende etc. sind einige solcher Ausdrücke. (Alle drei Wörter wurden beim Schreiben in Word markiert ,-) Die einzelnen Punkte sind sehr gut herausgearbeitet worden und werden jedem Leser einleuchtend erscheinen. (Mein Tipp: mit der straffen Zusammenfassung der Punkte, also mit Kapitel X zu beginnen.) An dieser Stelle muss ich jedoch auch anmerken, dass einige Kapitel ziemlich schwer (zu lesen), zäh und derart abstrakt sind, dass das Verständnis hinterherhinkt, selbst wenn man einige Abschnitte mehrmals liest. Mir kam es manchmal so vor als würde man eine bestimmte Formel auswendig gelernt haben und kennen und doch nichts damit anfangen können, weil man nicht weiß WIE sie einzusetzen ist. Ferner bin ich der Überzeugung, dass dieses Buch nicht als ein belletristisches gesehen und gelesen werden sollte. Es ist eher ein Sachbuch. Einen Stift sollte man deshalb parat haben, um sich Notizen zu machen etc. Ein weiterer negativer Aspekt ist die Anführung mancher Forscher, wobei nur der Vorname oder nur der Nachname erwähnt werden. Hierbei sollte man an Text wirklich nicht sparen. Einige Aspekte und Aussagen sind aber von unschätzbarer Aussagekraft und erzeugen häufige Aha-Erlebnisse. Oft ist aber einfach die spitzfindige Formulierung einer allen bekannten Weisheit wirklich bemerkenswert, dass man unweigerlich mit dem Kopf nickt und dem Autor nonverbal zustimmt! Ein Beispiel:Die heutzutage in ständigem Wachsen begriffene Unlust-Intoleranz verwandelt die naturgewollten Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens in eine künstlich planierte Ebene, aus den großartigen Wellenbergen und - tälern macht sie eine kaum merkbare Vibration, aus Licht und Schatten ein einförmiges Grau. Kurz, sie erzeugt tödliche Langeweile.Ich bin mir sicher, dass ich mir einzelne Passagen und Kapitel immer wieder neu ins Gedächtnis rufen werde. Doch ist der Text stellenweise so zäh - siehe zitierte Stelle oben (was die Metapher angeht!), dass man nur ungern eins der lichtlosen, sprachlich versierten und doch fuchsteufelswild abstrakten Täler durchschreitet. Licht und Schatten - so gut der Autor es auch meinte. Deswegen 3*.
WARUM der Mensch das tut, sagt Lorenz aber nicht. - Das Buch ist hochinteressant und trotz seines Alters immer noch hochaktuell. Aber auch Konrad Lorenz erklärt leider nicht, WARUM der Mensch das tut, was er tut. Der Mensch entwickelt gefährliche Technologien wie Atombomben und Nervengase. Jeder weiß, dass dies schlimm ist und der Mensch das nicht zum Leben braucht. Also warum macht der Mensch dann so etwas? Warum gibt es die Überbevölkerung - warum weicht hier der Mensch so sehr von seiner Umwelt ab? Lorenz hat mit seinen Analysen als Verhaltensforscher durchaus recht. Aber die wichtigste Frage, WARUM?, das kann er nicht beantworten. Deshalb ziehe ich zwei Sterne ab. Wer z.B. nach den Ursachen der menschlichen Abartigkeiten forschen will, der sollte einen Blick in das Buch Der Anfang war das Ende werfen. HIeraus erfahren wir, warum der Mensch diese selbstgeschaffenen Probleme nicht beseitigen kann, obwohl er sie sieht. Ein erkrankter Geschlechtstrieb, der Fellverlust und ein explosionsartig angewachsenes Gehirn sind die Folgen der menschlichen Fehlentwicklung. Welche Ursache das hat? - Das herauszufinden überlasse ich dem Leser des o.g. Werkes. Denn denken muss man auch noch selbst.
Spannendes und kritisches Werk! - Konrad Lorentz ist wohl den Meisten ein Begriff. Der Wissenschaftler hat schon einige Bücher geschrieben, doch selten ein so provokantes wie dieses.Denn er greift hier die gesamte zivilisierte Menschheit an.Doch sein Ziel ist nicht die Diffamierung der Zivilisation, er will helfen. Er will den Menschen helfen sich ihrer Sünden bewußt zu werden. Er will ihnen helfen diese zu sehen und daran zu arbeiten, dass sie bekämpft werden.Dies macht Lorentz auf eine sehr aggressive Art. Er verzichtet vollkommen auf die heute so moderne political correctness und sagt frei heraus, was er denkt.Dies führt allerdings dazu, dass der Leser sich (wenn er noch unerfahren im Umgang mit den Werken Lorentz ist) zunächst an den Stil des Autors gewöhnen muss, der ansonsten (bis auf viele Fachbegriffe aus Biologie, Physik und Medizin) gut verständlich und klar ist.Alles in allem ist das Werk hochinteressant und spannend. Lorentz deckt scharfsinnig die Sünden der Menschheit auf. Hier liegt allerdings das einzig negativ anzumerkende:Die ausgewählten acht Todsünden (um der Spannung wegen nicht alle zu nennen: Indoktrinierbarkeit, Wettkampfstreben,...) sind zwar allesamt gut ausgwählt, doch hätte Lorentz noch andere in Betracht ziehen können, die vielleicht noch schwerwiegender gewesen wären. Allerdings liegt das natürlich im Auge des Betrachters.Somit ist das ca. 120 Seiten umfassende Werk jedem zu empfehlen, der daran interessiert ist diese Todsünden zu bekämpfen, oder einfach nur ein interessantes Werk über die heutige aufgeklärte Menschheit lesen will.
Es geht nicht um Eislutscher! - Der Titel „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit lässt schon einiges über den Inhalt erahnen und das Gefühl der Endzeitstimmung kommt wohl zu recht auf. In den 70er-Jahren, mit der ständigen bewussten Bedrohung durch Kernwaffen, war „Das Ende wohl ziemlich nahe. Heute spüren wir die atomare Bedrohung nicht mehr so stark, obwohl sie an sich immer noch und sogar noch mehr da ist.Wenn man das Buch aufmacht und hineinliest, fällt einem das zugleich beruhigende „optimistische Vorwort auf. Wie auf einem Schlag ist es nicht mehr das Gefühl der Offenbarung des Untergangs, sondern ein Funken Hoffnung, wenn das erste Wort im Text „Optimistisches lautet.Genauso ist der Charakter des Vorworts, es hat eine beruhigende und Zuversicht schaffende Wirkung. Der letzte Absatz des Vorworts drückt das bildlich aus: „Es wäre überheblich, zu glauben, dass das, was man selbst sicher weiß, nicht auch den meisten Menschen verständlich gemacht werden kann. Alles, was in diesem Buch steht, ist viel leichter zu verstehen als z.B. Integral- und Differentialrechnung, die jeder Oberschüler lernen muss. Jede Gefahr verliert viel von ihrer Schrecklichkeit, wenn ihre Ursachen erkannt sind. So glaube und hoffe ich, dass dieses Büchlein ein wenig beitragen kann zur Verminderung der die Menschheit bedrohenden Gefahren. (Seite 8 f.)Inhaltsverzeichnis:Optimistisches Vorwort 7I. Struktureigenschaften und Funktionsstörungen lebender Systeme 11II. Überbevölkerung 19III. Verwüstung des Lebensraums 23IV. Der Wettlauf mit sich selbst 32V. Wärmetod des Gefühls 39VI. Genetischer Verfall 51VII. Abreißen der Tradition 68VIII. Indoktrinierbarkeit 84IX. Die Kernwaffen 106X. Zusammenfassung 107Literaturverzeichnis 111Das Inhaltsverzeichnis zeigt bereits die breite Auswahl an Themen, die Konrad Lorenz in diesem Buch behandelt und sie zu acht Todsünden der zivilisierten Menschheit zusammenfasst.Es sind eben keine acht Todsünden, die von Gott als solche vorgegeben sind, sondern Todsünden, die der „zivilisierte Mensch begeht ohne sich dessen wirklich und ausreichend bewusst zu sein.Konrad Lorenz ist in seinem Element als Biologe, wenn er im ersten Kapitel über die Struktureigenschaften und Funktionsstörungen lebender Systeme schreibt. Obwohl das Thema nicht einfach ist, versucht Lorenz es so einfach wie möglich darzustellen. „Die Ethologie behandelt also das tierische und menschliche Verhalten als die Funktion eines Systems, das seine Existenz wie seine besondere Form einem historischen Werdegang verdankt, der sich in der Stammesgeschichte, in der Entwicklung des Individuums und, beim Menschen, in der Kulturgeschichte abgespielt hat. Die echt kausale Frage, warum ein bestimmtes System so und nicht anders beschaffen sei, kann seine legitime Antwort nur in der natürlichen Erklärung dieses Werdegangs finden. (Seite 11). Dieses Zitat ist einerseits eine zentrale Aussage des 1. Kapitels und stellt andererseits eine der wesentlichen Grundlagen für das Verständnis der im Buch beschrieben Probleme dar. Konrad Lorenz behandelt in diesem Kapitel u.a. auch noch das Thema „Regelkreis und stellt die entscheidende stabilisierende Funktion des „negativen Feedbacks dar. Ich wage es nicht, die gesamte Funktionalität eines Regelkreises hier in einem Satz darzustellen, aber es sei davor gewarnt, „negatives Feedback aus einem Regelkreis zu entfernen, weil das System dann nur zu leicht außer Kontrolle geraten kann und wird. Wenn man den Fuchs der Hasen frisst als negatives Feedback für das System Hasen sieht, dann kann man sich ausmahlen, was passiert, wenn der Fuchs „ausfällt und die Hasen sich unendlich vermehren.Im 2. Kapitel, Überbevölkerung, geht Konrad Lorenz an ein zentrales Problem der zivilisierten Menschheit heran, das zugleich die erste Todsünde der zivilisierten Menschheit ist. „Die maßlose Vermehrung der Menschen als erstes zu besprechen, empfiehlt sich schon deshalb, weil so manche der später behandelten Erscheinungen ihre Folge sind. (Seite 19). Eine Folge dieser Überbevölkerung, besonders in Städten ist das Phänomen „not to get involved. Man möchte sich nicht einmischen und möchte nicht betroffen sein, somit kann es schon passieren, dass jemand verprügelt oder vergewaltigt wird ohne dass die Passanten eingreifen. Der Alltag zeigt dieses Problem nur zu oft auf. Konrad Lorenz geht davon aus, dass der Mensch für das massenhafte Zusammenleben auf engem Raum nicht geschaffen ist.Im 3. Kapitel, Verwüstung des Lebensraums, zweite Todsünde, behandelt Lorenz den Irrglauben, dass die Natur unerschöpflich sei. Mittlerweile haben wir Europäer schon ein wenig dazugelernt, aber die Menschheit verwüstet den Lebensraum Tag für Tag weiter. Auch bei uns wird mit der Natur in Wahrheit noch immer sorglos umgegangen.Im 4. Kapitel, Der Wettlauf mit sich selbst, wäre ein typischer positiver Regelkreis. Im gegenseitigen Wettbewerb der Menschen, Organisationen und Nationen geht es um schneller, höher, stärken und jedenfalls um mehr bzw. sogar viel mehr. Die Menschen leiden unter der Beanspruchung unter dem Stress. Doch das System fordert weiterhin mehr und noch viel mehr. Im 5. Kapitel, Wärmetod des Gefühls, wird es sehr persönlich. „Schon in grauer Vorzeit haben die Weisen der Menschheit ganz richtig erkannt, dass es für den Menschen keineswegs gut ist, wenn er in seinem instinktiven Streben nach Lustgewinn und Unlustvermeidung allzu erfolgreich ist. Schon in alten Zeiten haben es die Menschen hochentwickelter Kulturen verstanden, alle unlustbringenden Reizsituationen zu vermeiden, was zu einer gefährlichen, wahrscheinlich sogar oft zum Untergang einer Kultur führenden Verweichlichung führen kann. Seit altersher haben die Menschen herausgefunden, dass man die Wirkung lustbringender Situationen durch besonders schlaue Zusammenstellung der Reize steigern und durch deren ständigen Wechsel vor der Abstumpfung durch Gewöhnung bewahren kann, und diese Erfindung, die in jeder höheren Kultur gemacht wurde, führt zum Laster, das indessen kaum jemals ebenso kulturvernichtend wirkt wie die Verweichlichung. Wir kennen das aus unserem Alltag, dass wir nicht jeden Tag unsere Lieblingsspeise essen können, ohne uns davon „satt zu essen. Wenn alles immer da ist und zur Selbstverständlichkeit wird, dann kann das schon zum Problem werden. Wie viele Menschen suchen heute nach dem „Kick, wenn sie zu Drogen greifen oder an Gummiseilen hängend von Brücken springen, einfach um wieder einmal was Besonderes zu spüren, zu neudeutsch ein besonderes „Feeling zu haben.Im 6. Kapitel, Genetischer Verfall, beschreibt Lorenz die Probleme, die aus mangelnden Selektionsbedingungen entstehen können bzw. aus dem Glauben an den Behaviorismus entstehen können. „In einer österreichischen Zeitung las man jüngst [Anm. 1972!] die Schlagzeile: Siebzehnjähriger wird aus Angst vor den Eltern zum Mörder. Der Bursche hatte nämlich seine zehnjährige Schwester vergewaltigt und, als sie drohte, es den Eltern zu sagen, erwürgt. Die Eltern mögen in komplexer Verkettung der Wirkungen daran wenigstens teilweise Schuld getragen haben, ganz sicher aber nicht dadurch, dass sie dem Jungen zu viel Angst einflößten. (Seite 57)Im 7. Kapitel, Abreißen der Tradition, beschreibt Lorenz die Probleme, die daraus entstehen, dass die Jugend die alte Generation einfach ablehnt. Nur durch Tradition war es der Menschheit möglich, sich so schnell und so schnell so „hoch zu entwickeln. „Die Methode jedoch, mit welcher unter dem vielen Angebotenen das Festzuhaltende ausgewählt wird, ist offenbar in Art- und Kulturentwicklung dieselbe, nämlich Auswahl nach gründlicher Erprobung. (Seite 68)Im 8. Kapitel, Indoktrinierbarkeit, geht es unter anderem um die Gleichschaltung großer Menschenmassen durch die Mode. Aber nicht nur die Massenmenschen sind leicht indoktrinierbar auch Wissenschafter sind es, wie Lorenz in diesem Kapitel ebenso nachweist. „Die gefährliche modische Indoktrinierbarkeit der Wissenschaft, die der Menschheit die letzte Stütze zu rauben droht, hätte nie zustande kommen können, wenn nicht die in den ersten vier Kapiteln besprochenen Kulturkrankheiten ihr den Weg gebahnt hätten. Die Überbevölkerung mit ihrer unvermeidlichen Entindividualisierung und Uniformierung, die Naturentfremdung mit dem Verlust der Fähigkeit zur Ehrfurcht, der kommerzielle Wettlauf der Menschheit mit sich selbst, der in utilitaristischer Denkungsart das Mittel zum Selbstzweck macht und das ursprüngliche Ziel vergessen lässt, und nicht zuletzt die allgemeine Verflachung des Gefühls, sie alle finden in den die Wissenschaften betreffenden Dehumanisationserscheinungen ihren Niederschlag, sie sind deren Ursache und nicht deren Folge. (Seite 105)Im 9. Kapitel, Die Kernwaffen, fasst sich Lorenz kurz, er handelt das Thema auf nur einer Seite ab. Obwohl es damals wohl die am Stärksten spürbare Bedrohung war, verweist er darauf, dass sie von den acht Bedrohungen am leichtesten Vermeidbar sei. „Man braucht sie nur nicht herzustellen oder nicht abzuwerfen. (Seite 106).Am Ende seines Buches steht die Zusammenfassung, die noch einmal die einzelnen Probleme darstellt und insbesonders auf die Zusammenhänge verweist. Wie für eine wissenschaftliche Arbeit üblich steht ganz am Ende das Literaturverzeichnis.*** Mein Fazit ***Auch wenn das Buch schon 30 Jahre alt ist und die Welt sich scheinbar so viel verändert hat, so ist der Inhalt der acht Todsünden der zivilisierten Menschheit noch immer hochaktuell. Das Buch ist mit 110 Seiten, sehr dichtem Inhalt, gut lesbar und der Preis von € 7,90 stellt kein finanzielles Hindernis dar. Somit kann ich das Buch allen Lesern voll und ganz empfehlen, ob sie nun Wissenschafter oder „normale Menschen sind. Das Buch ist trotz des schwierigen Inhalts leicht lesbar und wohl ebenso leicht verständlich. Wir sollten die acht Todsünden ernst nehmen, auch wenn vermutlich noch ein paar dazugekommen sind. Der einzelne Mensch kann die Todsünden zwar nicht wegschaffen, aber er kann durch ein entsprechendes Bewusstsein besser damit umgehen und sich und andere vor den Gefahren besser schützen.Ich bin im Besitz der ungekürzten Taschenbuchausgabe, die bei Piper bereits in der 20. Auflage, Juli 2003 erschienen ist. Somit scheinen das Buch doch schon einige Menschen gekauft und gelesen zu haben, aber anscheinend immer noch zu wenige. Ich wollte in meinem Beitrag nicht alle einzelnen Inhalte aufdecken (was ja auch nicht nötig ist), um die Spannung beim Nachlesen erhalten zu können.
Welch großartiger Wissenschaftler und Mensch! - Welch faszinierendes Buch, welch faszinierender Mensch und großer Wissenschaftler, würdig mehr als nur eines Nobelpreises! Mit diesem Eindruck legte ich - selbst als Wissenschaftler tätig - dieses Buch nach dem Lesen zur Seite. Faszinierend ist besonders an Konrad Zacharias Lorenz, wie sehr er zeit seines Lebens hinzugelernt hat, wie sehr er schließlich gegen Indoktrinierung inner- und außerhalb der Wissenschaft resistent wurde. Es ist zu bedauern, daß seine kurzfristige Zugehörigkeit zur NSDAP (die er, wie anderes, rasch als Fehler erkannte - er lehnte den Nationalsozialismus und seine Taten, wie auch in diesem Buch deutlich wird, dann entschieden ab) auch heute noch angeführt wird, um Lorenz zu verunglimpfen und seine Lebensleistung zu schmälern. Es wird aber auch an diesem Buch nachvollziehbar, worin eine solch emotionale wie irrationale Ablehnung wurzeln könnte: Lorenz sprach und schrieb in heute völlig unüblich gewordener Klarheit. Das tut manchmal weh, zumal, wenn man sich selbst von der Wahrheit getroffen fühlen muß. Gerade diese Klarheit der Sprache zeichnet Lorenz aber als wirklich großen Wissenschaftler aus, der - das beweist seine Größe - geradezu einübte, sich widerlegen zu lassen: ... und es ist, wie ich einmal sagte, eine zwar schmerzhafte, aber jung und gesund erhaltende Turnübung, täglich, gewissermaßen als Frühsport, eine Lieblingshypothese über Bord zu werfen. Nur wer klar formuliert, kann auch klar widerlegt werden. Das sind wir heute nicht mehr gewöhnt. Zwei Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches im Jahre 1971, also 1973, äußerte Lorenz bereits vorsichtigen Optimismus, einige seiner 8 Todsünden würden vielleicht überwunden. Wir sind aber vielleicht weiter denn je davon entfernt.